Rebornbar

Tipps und Hinweise

 Rooting-Nadel

Als Rootingnadel bezeichnet man eine Filznadel (engl.: Felting-Needle), die zum Rooten geeignet ist.

Filznadeln wurden nicht speziell für das Rooten entwickelt, sondern vielmehr sind es Nadeln zum Maschinenfilzen (Herstellen technischer Filze) und für unsere Zwecke nur zufällig recht gut geeignet. Da sie aber nicht für uns entwickelt wurden, gibt es auch nicht die ultimative Nadel.

Filznadeln bestehen aus einem Arbeitsteil und einem Halteteil. Das Halteteil ist so konzipiert, dass die Nadeln damit in die Filzmaschinen eingespannt werden können. Das für uns Wichtigste, nämlich die Kerben, sind auf dem Arbeitsteil je nach Nadeltyp unterschiedlich angeordnet; entweder auf dem Schaft verteilt oder in der Spitze.

Die unterschiedliche Stärke der Nadeln wird mit der Einheit gg bezeichnet, in Anlehnung an ein amerikanisches Drahtmaß. Die Zahl vor der Einheit gg gibt an, wie oft ein Draht durch die Drahtziehmaschine gezogen wurde. Daher: je höher die Zahl, desto feiner die Nadel. Die für den Reborner interessanten Größen sind 38, 40, 42, 43,46 gg.

Bei den Arbeitsteilen unterscheidet man z. B. nach Gabelnadeln mit der Kerbe in der Spitze. Außerdem gibt es Dreikantarbeitsteile, die den wohl größten Anteil an gängigen Nadeln für uns ausmachen. Hier sind die Kerben am Schaft des Dreikantes angeordnet, entweder in verschiedenen Höhen oder auch kranzförmig. Darüber hinaus gibt es auch Vierkantarbeitsteile. Dabei hat das Arbeitsteil vom Durchschnitt her gesehen die Form eines gleichseitigen Viersternes, deshalb „Star“-Nadel.

Fazit: die absolute Rootingnadel gibt es nicht, die gewährleistet, dass nur ein Haar eingezogen wird. Entscheidend dafür ist nicht die Nadel, sondern die Technik. Wenn man nur ein Haar einziehen will, darf man der Nadel nur ein Haar anbieten. Jedoch kann die Form des Arbeitsteils und die Anordnung der Kerben darüber entscheiden, wie sichtbar die Einstichstellen des Rootings sind, da ja jede Nadel Beschädigungen am Vinyl verursacht. Ganz wichtig ist es, diese Tatsache an besonders zart behaarten Stellen, wie z.B. Schläfen, zu beachten.

  

Mohair

Als Mohair wird die Wolle der Angoraziege bezeichnet.

Hierbei unterscheidet man in Abhängigkeit von der Schur nach

Kidsmohair (meist die 1. oder 2. Schur von bis zu 1-jährigen Ziegen)

Yearling (meist die 3. oder 4. Schur von 1-2jährigen Ziegen

Adult (nach dem 2. Lebensjahr)

Kidsmohair ist besonders fein, zart und weich. Die geschnittenen Haare sind meist noch relativ kurz und häufig ziemlich gewellt. Bei Yearling und Adult sind die Haare meist länger, kräftiger und glatter. Aber Mohair ist ein Naturprodukt und so gibt es dort auch Schwankungen, insbesondere auch von der Witterung abhängig, der die Tiere ausgesetzt waren.

Bei den handelsüblichen Qualitäten wird hinsichtlich der Struktur unterschieden nach:

 -           straight (glatt)

-           slightly wavy (leicht gewellt)

-           wavy (gewellt)

-           curly (gelockt)

 

Tipps und Hinweise

1. Achten Sie darauf, dass Mohair mit der richtigen Seite in den Kopf einzustechen. Das heißt ganz konkret: die Schnittkante und nicht die gewachsenen Spitzen(!) müssen in den Kopf eingepflanzt werden. Das ist sehr wichtig, weil Sie die Haare sonst gar nicht zum Halten bekommen. Die Oberfläche der Haare besteht aus winzigen Horn-schüppchen, die ähnlich wie die Schuppen bei einem Tannenzapfen angeordnet sind. Die neu gewachsenen Schuppen schieben sich immer über die vorherigen. Sind die Haare richtig gerootet, spreizen sich die Schüppchen ein wenig auf und das Haar hält. Mit dem falschen Ende gerootet legen sie sich glatt an und das Haar fällt wieder heraus. Bei dem Mohair, welches Sie bei mir erhalten, ist gut zu erkennen, welche Seite die geschnittene Kante ist. Sollten Sie aber Mohair in Ihrem Bestand haben, welches da keinen eindeutigen Schluss zulässt, müssen Sie dies austesten. Zum einen kann man das fühlen, wenn man mit den Fingerspitzen über eine Strähne des Mohairs streicht. In einer Richtung fühlt es sich seidiger an, entgegen der Richtung etwas rauer. Aber es gehört schon viel Fingerspitzengefühl dazu, das zu fühlen! Ich empfehle daher, an einer unauffälligen Stelle des Kopfes oder besser noch an einem Übungskopf ca. 20 bis 25 Härchen zu rooten. Dann streichen Sie vorsichtig mit dem Finger über diese gerooteten Härchen. Bleiben die Haare im Kopf, haben Sie die richtige Seite erwischt. Gehen die Härchen fast von allein wieder raus, war es die falsche Seite!

 

 2. Zeichnen Sie sich vorher Ihre Frisur an. Ich verwende dafür den Aqua-Trickmarker von Prym; Sie bekommen diesen auch in meinem Shop. Der Stift ist eigentlich gedacht, um Markierungen und Nähte auf Stoffen anzuzeichnen. Er lässt sich ganz problemlos wieder mit Wasser entfernen. Trotzdem zeichne ich mir nie alle Linien auf den Kopf, nur so viel, wie ich an diesem Tag auch rooten kann. Für den Fall, dass sich doch eine Linie nicht 100%ig entfernen lässt (abhängig vom Vinyl und Farbauftrag), keine Panik: da der Stift türkisblau schreibt, muten die eventuellen Rückstände wie eine zarte Ader an. Spätestens jedoch nach etwas Sonneinstrahlung sind die Linien aber dann verschwunden.

 

 3. Arbeiten Sie Ihre Nadel ein! Dazu stechen Sie diese vorsichtig so ca. 20 Mal in den Übungskopf oder in die Einbinderille des Kopfes, den Sie bearbeiten möchten. Zum einen werden dann die Rückstände gleich von der Nadel entfernt, die sonst hässliche graue Punkte hinterlassen würden. Zum anderen bekommen Sie ein Gefühl für die Nadel und den Kraftaufwand, den Sie aufbringen müssen.

 

 4. Sehr welliges Mohair ist sehr unschön zu verarbeiten; insbesondere, wenn Sie wie ich nicht in die Mitte des Haares stechen, sondern das geschnittene Ende einrooten. Ist das Haar lockig oder gewellt, stehen die Enden in alle Richtungen ab und es wird schwer, ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen. Hier helfe ich mir mit einem einfachen Trick: Ich ziehe die Strähne vorsichtig über einen normalen, elektrischen Haarglätter, auf niedrigster Temperaturstufe – versteht sich. Die Glättung des Haares ist nicht permanent, sobald Sie die Haare wieder etwas anfeuchten, sind die Locken oder Wellen wieder da. Aber für die Zeit der Verarbeitung ist das glattere Haar durchaus hilfreich.

 

5. Wärmen Sie den Kopf etwas an. Das macht das Vinyl viel weicher und die Nadel gleitet leichter durch. Hinzu kommt, dass viel seltener das Haar beim Einstechen schon abbricht. Verwenden Sie dazu entweder von innen ein Säckchen mit Reis, das Sie vorher kurz in die Mikrowelle legen. Oder aber bestrahlen Sie den Kopf mit einer Halogen-Schreibtischlampe. Das hat schon mal den Vorteil, dass Sie durch die Lichtquelle gut sehen. Und da Halogenlampen ja auch recht heiß werden, haben Sie die Wärmequelle gleich inklusive.

 

 6. Für ein perfektes Ergebnis beim Rooten ist für mich meine Lupenbrille ein unverzichtbares „Accessoires“. Ich empfinde das Arbeiten damit als viel weniger anstrengend für meine Augen. Und der Vorteil ist: Sie können diese auch über Ihrer normalen Brille tragen. Das Modell, welches in meinem Shop erhältlich ist, hat eine 2,5-fache Vergrößerung und bietet damit auch noch einen komfortablen Arbeitsabstand. Bei einem höheren Vergrößerungsfaktor reduziert sich der Arbeitsabstand auf ca. 10-12 cm (5-fache Vergrößerung), was dann schon unangenehm für Rücken und Nacken wird.

 

7. Halten Sie Nadel beim Arbeiten richtig! Auch bei den normalen Dreikantnadeln (blau, rot und weiß) ist es nicht egal, wie Sie die Nadel halten, denn bei inkorrekter Haltung riskieren Sie Leerstiche, also Löcher ohne Haar darin. Wenn Sie das Arbeitsteil im Querschnitt betrachten würden, wäre es ein gleichseitiges Dreieck. Wichtig ist, dass eine Spitze des Dreieckes dem Vinyl zugewandt ist und Sie von oben auf die glatte Fläche schauen. Da alle drei Kanten mit Kerben versehen ist, ist es unwichtig, welche Kante zum Vinyl hin zeigt. Eine Ausnahme ist die schwarze Nadel, hier muss natürlich unbedingt die Kante mit der einen einzigen Kerbe zum Vinyl hin gerichtet werden, sonst wird kein Haar eingezogen.